Mü 13e "Bergfalke"

Aus einem Lasercutsatz von Jürgen Assmann

von Michael Körbitz.​

Im Herbst 2020 bin ich in der DMFV-Verbandszeitschrift auf einen kleinen Hinweis zu einem Lasercutbausatz der Mü13e gestoßen. Angesprochen hat mich der Maßstab 1:4, der noch eine transportfreundliche Größe von rund 2 m Länge mit einer Spannweite von 4,40 m ergibt.

Konstrukteur und Hersteller des Lasercutbausatzes der Mü13e ist Jürgen Assmann aus Borken. Beim Kennenlernen traf ich auf einen rüstigen Rentner mit Spaß am Modellfliegen (sein Leben lang, jedenfalls so lange er sich daran erinnern kann), der sein Konstruktionsprogramm virtuos einsetzt. Seine Pläne entstehen also mittels CAD, die er mit einer eigenen Lasermaschine in Teilesätze umsetzt.
Nach telefonischer Kontaktaufnahme und Bestellung des Laserbausatzes konnte ich diesen nach kurzer Zeit bei ihm abholen. Ein erster Augenschein bestätigte mir die hervorragende Qualität der Teile.
Ein Vorteil gegenüber gefrästen Teilen besteht in der genauen Kontur, bis in die Ecken. Daher braucht nach dem Auslösen der Bauteile aus den Sperrholzbrettern nichts nachgearbeitet zu werden. Die Stege, die die Bauteile in den Brettern halten, sind auf das Nötigste beschränkt. Den Bausatz bildet im Wesentlichen eine Handvoll Sperrholzbrettchen in unterschiedlicher Dicke und Qualität. Birken- und Flugzeugsperrholz wird da eingesetzt, wo es nötig ist und Sinn macht und Pappelsperrholz nur für die formgebenden Teile.
Was beinhaltet der Teilesatz? Man erhält alles, was für Rippen, Spanten, Seiten- und Höhenleitwerk sowie den Grundrahmen für den Rumpf erforderlich ist. Außerdem ein PDF mit den Plänen für Rumpf und Flächen. Diese müssen von einem Copyshop gedruckt werden, da sie fast einen Meter breit und 2,5 Meter lang sind.

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Alle weiteren Materialien wie Sperrholz für die Beplankung, Leisten für die Holme und Stringer, Balsa zur Formgebung, müssen selber beschafft werden. Das Angebot von Jürgen Assmann richtet sich an den erfahren Modellbauer, der mit Holz und Leim umzugehen weiß und dessen Werkstatt eine gewisse Grundausstattung hat.

Begonnen habe ich mit dem Rumpf. Dieser wird in Halbschalenbauweise erstellt. Nach dem ich den Plan auf meinem Baubrett unter Klarsichtfolie geschützt hatte, wurden die Spantenrahmen aufeinander liegend gebaut. Dies hat den Vorteil, dass die jeweiligen Seiten, die ja später aufeinander geleimt werden, absolut deckungsgleich sind.

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Auf dem Rahmen werden die Halbspanten in der vorgegebenen Position verleimt. Anschließend werden die Stringer aus Kiefernleisten erstellt. Ein Rumpfstringer ist durchgehend.Er muss auf Grund der Rumpflänge also geschäftet werden. Der hintere Teil besteht aus 3x8 mm Leisten, vorne müssen die Leisten stark gekrümmt werden. Kiefernleisten können durch Wässern schmiegsam gemacht werden. Ich habe für den vorderen Teil eine 3x5 mm und 3x3 mm Leiste parallel eingesetzt und anschließend mit dünnem Sekundenkleber verklebt. Das hat den Vorteil, dass so gut wie keine Spannung von den Leisten auf die Spanten übertragen wird und die Konstruktion trotzdem sehr verwindungssteif ist. Nach dem die Stringer alle verleimt sind, wird zur Versteifung der Konstruktion zwischen den beiden oberen Stringern eine aus Sperrholzteilen bestehende Rumpfverstärkung eingeleimt.

Mit der zweiten Rumpfhälfte wird genauso verfahren, wobei darauf zu achten ist, dass diese spiegelbildlich erstellt wird. Ansonsten hat man zwei gleiche Rumpfseite.
Anschließend werden beide Hälften zusammengeleimt, dabei hat jeder seine eigenen Methoden, um einen geraden Rumpf zu erhalten.
Die vordere Rumpfoberseite sowie die Unterseite habe ich mit 0,6 mm Sperrholz beplankt. Scale wäre eine bis zum Rad reichende Landekufe, die mit der Bespannung verkleidet wird. Ich habe auf die Kufe jedoch verzichtet und hoffe auf ordentliche Landungen.

Das Seitenleitwerk wird ebenfalls mit 0,6 mm Sperrholz verkleidet. Zwischen den Spanten habe ich zur Aussteifung 3x3 mm Kiefernleisten angebracht. Man sollte sich jetzt über den Anlageneinbau Gedanken machen. Soll später das Höhenruder über eine Schubstange betätigt werden? Wie soll das Seitenruder angelenkt werden?

Ich habe das Höhenruder mittels kleinen Servos je Ruderblatt in der Dämpfungsflosse angelenkt, das Seitenruder mittels Seilen. Hier hat jeder bestimmt seine eigenen Ideen, vorgegeben ist hier nichts.

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Etwas anspruchsvoller wird es bei der Kabinenhaube. Für den Rahmen aus 5 mm Messingrohr habe ich ein Modell aus den Ansichten erstellt. Die Rundungen dann entsprechend gebogen und nach dem Anpassen der Rohre diese hart verlötet. Dabei muss die spätere Materialdicke der Verglasung, die ich aus 0,5 mm Vivak gemacht habe, berücksichtigt werden. Ansonsten wird die Haube breiter als der Rumpf.

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Damit ist der Rumpfrohbau abgeschlossen. Kleinere Arbeiten wie das Gestalten der Rumpfnase und der Einbau der Schleppkupplung werden beim Bau der Tragflächen erledigt.


Weiter geht’s mit den Tragflächen.

Dabei werden zuerst die Holme hergestellt. Diese bestehen aus 4x12 mm Kiefernleisten. Bis zum ersten Drittel des Querruders ist der Holm aufgedoppelt, also 12 mm dick. Hier ist einiges zu schäften.
Die Holme werden zwischen den Rippen mit Material der Beplankung unterlegt, ich habe 0,6 mm Flugzeugsperrholz genommen. Die Rippen sind vorne ab den Holmen entsprechend ausgenommen. Auch sollte man sich jetzt Gedanken zu den Störklappen machen. An Stelle der zumeist bei originalen Mü13e verwendeten Drehstörklappen habe ich mich für handelsübliche Schempp-Hirth-Klappen entschieden. Diese sind einfacher einzubauen. Schließlich gab es auch Originale, in deren Flächen später diese Klappen installiert waren oder sind.
Nach dem die Rippen mit dem unteren Holm verleimt sind, wird der obere Holm eingesetzt und die innere Nasenleiste verklebt. Danach habe ich die untere Beplankung und die Endleiste aus 0,8 mm Flugzeugsperrholz angebracht.
Vor dem Verkasten mittels 3 mm Balsa muss das Führungsrohr für die Flächensteckung eingeharzt und gut mit und zwischen den Holmen verkastet und ausgefüllt werden. Vom Konstrukteur ist eine16 mm-Steckung vorgesehen, doch auch hier hat jeder Modellbauer seine eigenen Vorstellungen.
Nach dem Aufkleben der oberen Beplankung ist die Fläche bocksteif, es verdreht sich nichts mehr. So soll es sein.

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Die Querruder werden aus den entsprechenden Rippen, etwas Balsaholz und dem Flugzeugsperrholz für die Endleiste aufgebaut. Der Randbogen besteht bei mir aus Pappelsperrholz, um den gewässerte Balsastreifen geleimt sind. Anschließend wird die Nasenleiste und die übrige Beplankung aufgebracht und die Fläche und Nasenleiste profilgenau verschliffen.

Analog hierzu wird die zweite Fläche aufgebaut. Auf dem Flächenplan sind beide Flächen abgebildet. Sie können also, sofern die Baubrettgröße es erlaubt, parallel gebaut werden.

Anschließend erfolgt der Servoeinbau für Querruder, Störklappen und die Verlegung des Kabelstranges. Ich habe die Kabelverbindung mit Multiplexsteckern und -buchsen an der Rumpf- und Flächenanschlussrippe gestaltet. Die Servos werden daher beim Anstecken der Flächen automatisch verbunden.
Die Flächen werden mittels dem hinteren 4 mm-Flächenstahl zur Verdrehsicherung und Stellringen über den Führungsrohren durch ein kleines Loch auf der Flächenunterseite zum Verschrauben sicher am Rumpf befestigt.

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Der Rohbau ist abgeschlossen, jetzt folgt das Finish.

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Finish

Bespannt habe ich das Modell mit Proficover von Practical Scale. Dafür habe ich 8 m benötigt. Entgegen meiner bisherigen Gewohnheit, meine Modelle mit Spritzpistole und Autolack zu lackieren, erfolgte diesmal die Lackierung mittels Lackrolle und Acryllack aus dem Baumarkt. Dazu habe ich mich der Expertise von Detlef Sewing, bei :rcn: auch unter DETI bekannt, bedient. . Er lackiert seine Modelle schon seit Jahren mit Rolle und Acryllack, mit sehr guten Ergebnissen.
Mit der Rolle wird der Lack sehr dünn aufgetragen, ein mehrmaliger Auftrag ist notwendig. Da der Lack auf Wasserbasis aufgebaut ist, verdunstet beim Trocknen das Meiste, im Wesentlichen bleiben nur die Farbpigmente. Das ergibt auch nach mehrmaligem Auftrag sehr wenig Gewicht.
Benötigt habe ich etwa einen Liter Lack für das gesamte Modell.

Der große, frei einsehbare Kabinenbereich verlangt förmlich nach einem schicken Ausbau. Hier wird man im Netz fündig was die Cockpitgestaltung anbelangt. Die Schlösser für das Gurtzeug, sowie die Schiebefenster habe ich von GroMoTec bezogen. Den Haubenverschluss, der durch das hintere Fenster betätigt wird, habe ich selbst entworfen. Auf dem vorderen Sitz soll später einmal eine Pilotenpuppe aus dem Hause Scalepilots platziert werden.
Unter dem Cockpitausbau ist versteckt die RC-Technik untergebracht, sowie das Trimmblei. Hier war, vermutlich wegen der zwei Servos in der Höhenruderdämpfungsflosse, rund 1 kg Balast nötig. Ein Teil wird später wieder der Pilotenpuppe zum Opfer fallen. Den Schwerpunk habe ich für den Erstflug bei 30% festgelegt und befinde mich damit hoffentlich auf der sicheren Seite. Das Gesamtgewicht beträgt ungefähr 7 kg, für ein Modell dieser Größe sicherlich ein guter Wert.

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Anfang Mai fand an einem ruhigen Nachmittag der Erstflug statt.

Geschleppt wurde mit einer über 30 Jahre alten TC-Piper der ersten Generation, die mit einem ebenso alten ZG 38 ausgerüstet ist. Motormodell und Segler im gleichen Maßstab, was will man mehr.
Erstes Ausklinken in etwa 150 m Höhe. Auf Höhenruder zeigte der Bergfalke zwar eine sehr gute Wirkung, dennoch habe ich noch etwas Expo eingestellt.
Das Modell hält konstant die Fahrt, den Schwerpunkt kann ich noch ein wenig nach hinten verlagern. Ansonsten ein sehr gelungener Erstflug. Die Querruder- und Seitenruderausschläge passen. Nachtrimmen brauchte ich nichts.
Beim zweiten Start hatte ich bei einer Ausklinkhöhe von geschätzten 250 m sofort Thermikanschluss. Bei 400 m habe ich den Bart verlassen, um die Höhe abzugleiten. Mit einer butterweichen Landung habe ich den Flug beendet.

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Ich baue seit über 50 Jahren Flugmodelle und Modellflugzeuge. Angefangen hat es, wie bei vielen, mit "Der kleine UHU"…
Mein liebster Werkstoff ist immer noch Holz in jeder Ausführung.
Bei der Beurteilung des Laserbausatzes und des Bauplans von Jürgen Assmann kann ich nur feststellen: Selten hat es mir so viel Spaß gemacht, ein Modell zu bauen.
Die Laserteile waren von hervorragender Qualität, sie sind passgenau und stimmten exakt mit dem Plan überein. Die wesentlichen Arbeiten für ein solches Modell waren problemlos zu erledigen. Eigene Ideen konnten umgesetzt werden, ohne dass ein Konvolut von Modellbaukastenzubehör in den Schubkästen des Bastelkellers ungenutzt verschwindet.

Das Angebot von Jürgen Assmann richtet sich an den erfahrenen, kreativen Modellbauer, der eigene Ideen umzusetzen weiß.
 
Ein wirklich schönes Modell und ein interessant geschriebener Bericht.

Ich hätte eine Frage, wieso wird Messing, das ja nicht zu den harten Metallen zählt, hartgelötet ?

Reicht da normales (weich)Löten nicht aus ?

Klärt mich mal bitte auf.
 
@ Paperflyer:
Weichlöten reicht bestimmt auch aus, ich habe einen komfortable Rothenberger Brenner. Mit einem niedrigschmelzenden Hartlot mit einem hohen Silberanteil, ich benutze hier das ummantelte von Practical Scale, geht das auch sehr gut bei höherer Festigkeit der Lötstelle. Auch muss bei Weichlot „sauberer“ gearbeitet werden, da nicht so spaltfüllent.
 
@ Auftrieb:
Laut Konstrukteur, Jürgen Assmann wird ein Eppler 195 als Profil verwendet, jedoch mit gerader Unterseite.
Die Flugeigenschaften des Modells sind in allen Geschwindigkeitsbereichen hervorragend.
 
superschoen ist der geworden. und besonders gut gefaellt mir auch dass es offenbar (fast) alles sperrholz und kein balsa ist.
 

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