E-SOLO von Aeronaut

Kurzer Bauspaß und langes Flugvergnügen

von Mirko Krämer.
Bei einigen meiner Bauprojekte war es immer das gleiche Spiel. Ich entdeckte ein Modell, was ich interessant finde, rannte virtuell eine Weile drum herum und verlor es dann doch wieder aus dem Blick. Viel später lief mir das Objekt der Begierde erneut über den Weg, ich entschließe mich endlich zum Kauf und zack, ist es nicht mehr erhältlich. Das ist manchmal echt zum Mäusemelken.


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Der E-SOLO von Aeronaut hatte mich tatsächlich wegen seiner Einfachheit angemacht. Das ganze Erscheinungsbild ist so schlicht und ohne jeden modischen Schnickschnack, dass es in meinen Augen nur schön ist. Das Konzept und die technischen Anforderungen sind ausgesprochen minimalistisch. Die Bausatzausführung des ARC-Modells verspricht wenig Arbeit sowie eine schnelle Fertigstellung. Das waren insgesamt genau die richtigen Zutaten für ein flinkes Zwischendurchprojekt. Ach ja, der Preis war auch immer heiß, kostete der Teilesatz doch meist so um die 160 €, je nach Händler.

Warum kostete? Klar, weil es das Modell so nicht mehr gibt.

Warum schreibe ich dann einen Bericht darüber? Weil es doch irgendwie noch zu haben ist, nur jetzt als richtiger Bausatz. Der geneigte Nurflügelfreund darf oder muss nun selbst ran und die beiden Flügel aus Einzelteilen zusammenfügen. Es gibt vielleicht Händler, die noch eine ARC-Version vorrätig haben. Da muss man einfach mal etwas suchen und Glück haben.[/COLOR]

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Eigentlich hatte ich nicht vor, den E-SOLO großartig zu beschreiben, den "Bau" schon gar nicht. Aber ich komme gerade vom Erstflug bei herrlichstem Sonnenschein und habe noch so ein schönes breites Grinsen im Gesicht, dass ich dachte, euch das nicht vorenthalten zu können.

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Aber ich will mal vorne beginnen:

Mit etwas Suchen fand ich einen Händler, der den SOLO in der Seglerversion noch auf Lager hatte. Also wurde er bestellt. Als das Paket dann ankam, habe ich mich noch gefreut, doch nach dem Auspacken ein langes Gesicht gezogen. Ein Randbogen war beschädigt und verlangte nach ein wenig Leim. Das war aber nur eine Sache von Minuten und die Freude kam schnell wieder zurück. Die beiden Flächenhälften sind nämlich handwerklich absolut sauber gemacht. Das würde selbst ich nicht besser hinkriegen.

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An dieser Baugruppe gibt es genau zwei Dinge zu tun. Die Querruder sind abzutrennen und deren Vorderkante anzuschleifen, um das Ruder oben anschlagen zu können. Außerdem muss die Beplankung in der Mitte geöffnet werden, um ein Servo einzubauen und anschließend wieder zu verschließen. Ja, ich weiß, es sind noch Ruderhörner einzuharzen, die Flächen in Folie zu hüllen und die Ruder dann auch anzuschließen. Aber das ist doch Standartkram bei so einem Modell. Insgesamt bleibt der Aufwand für die Flächen echt klein. Die beiden Servos müssen nicht besonders hochwertig sein. Hier sind eher Rückstellgenauigkeit und Spielfreiheit gefragt, als Kraft und Geschwindigkeit. Ich habe die Rudermaschinen ganz einfach mittels Gabelköpfen und abgewinkeltem 2 mm-Draht mit den Rudern verbunden. Das ist absolut spielfrei und robust genug. Die beiden Ruderklappen sind angebügelt und somit spaltfrei, was sicher auch zur hervorragenden Wendigkeit beiträgt.

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Die Dame von der Qualitätskontrolle ist öfter mal vor Ort...​

Was ich an den gelieferten Teilen richtig schön fand, war auch die Tatsache, dass alles ohne Nacharbeiten zusammenzustecken war. Alle Bohrungen und Einschlagmuttern sind vorhanden und passen! Das würde ich als Qualität bezeichnen!
Ich habe zusätzlich noch MPX-Buchsen/-Stecker in die Flächenhälften gesetzt, sodass die Leitungen beider Servos auf eine Steckverbindung laufen und beim Montieren der Fläche auf dem Rumpf nur noch eine Leitung angeschlossen werden muss. Das macht die Sache viel handlicher.

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Und der Rumpf? ...erfordert auch nicht so richtig viel zu tun.

Da ich die Seglerversion gekauft hatte, musste ich die Nase abtrennen und einen Motorspant einkleben. Damit habe ich mich aber wirklich nicht lange aufgehalten. Hier kommt bei mir kein großes Messequipment zum Einsatz. Ich säge nach Augenmaß entsprechend dem Spinnerdurchmesser ab, also natürlich etwas kleiner, und taste mich dann schleifenderweise vorsichtig an den endgültigen Durchmesser heran. Dabei wird der Motor mit montiertem Spant immer wieder hineingeschoben, Spinner drauf und kontrolliert, ob sich ein vernünftiger, gleichmäßiger Spalt zwischen Rumpf und Spinner ergibt. Ob das am Ende 2° Sturz oder vielleicht nur 1,4° sind...mhm, mir ist es wurscht, da ich den Steigflug eh mit dem Höhenruder aussteuere. Den Seitenzug habe ich bei Seglern schon immer ignoriert. Ja sicher, das kann man auch sehr akribisch berechnen und ausmessen. Man (ich) kann es aber auch lassen. Die Flugerprobung hat ergeben, dass sich je nach Trimmung der Klappen eh immer ein anderer Steigwinkel einstellt. Insofern macht es also gar keinen Sinn, aus dem Motorsturz eine Wissenschaft zu machen.

Einen Nachteil hat das Konzept des E-SOLO in jedem Falle, nämlich die oben auf den Rumpf geschraubte Fläche und das Fehlen einer Rumpfklappe. Deshalb muss man zum Akkuwechsel immer die Flächen abnehmen. Um aber den Akku nicht dauerhaft angeschlossen zu haben (Sicherheit!!!), wollte ich die Anlage in jedem Falle von außen scharf stellen können.

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Also habe ich eine XT60-Buchse in die Rumpfwand gesetzt, über die der Akku mit dem Regler verbunden wird. Wenn ich den kurzgeschlossenen Stecker einstöpsele, wird die Plusleitung geschlossen und das Modell ist betriebsbereit. Der aerodynamische Widerstand ist im Verhältnis zum Sicherheitsgewinn zu vernachlässigen. Zusätzlich habe ich am Sender aber auch noch einen Schalter programmiert, um den Motor lahmzulegen. Also doppelte Sicherheit...

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Die Seitenwände des Rumpfes sind relativ weich. Ich habe noch zwei Lagen Gewebe eingeharzt, ohne mit Gewissheit sagen zu können, ob das wirklich nötig ist. Da aber meine Steckbrücke recht stramm sitzt, schadet es auch nicht.

Um den Schwerpunkt einzustellen, habe ich den Empfänger ganz hinten und den Akku ganz vorn platziert. Ich habe mich dabei, wie auch bei den Ruderausschlägen, an der Anleitung orientiert. Das passt!

Mehr gibt es zur Montage kaum zu berichten. Das war insgesamt ohne Probleme oder Rätselstunden zu erledigen. Die Baugruppen sind leicht aber sehr robust gefertigt, man muss also nicht ständig Angst haben, was zu zerdrücken. Da die Kleinteile vollzählig beiliegen, muss man auch nicht großartig in die eigene Reste- oder Vorratskiste greifen.

Vor dem Bügeln habe ich die Flächen und Winglets (die passen ebenfalls ohne Nacharbeit) noch leicht mit feinem Schleifpapier gestreichelt. Aber wirklich nur ganz vorsichtig, da sie schon fast bügelfertig waren.

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Für das Finish brauchte ich vier Stunden Bügelorgie in der Küche. Den gelben Folienteil habe ich im Stück vorbereitet und somit ohne Stückelei aufgebracht. Das sieht am Ende besser aus und macht weniger Stress mit Stoßkanten, die sich wieder lösen möchten.
Ich habe Folie von Hobbyking verarbeitet. Da deckt das helle Gelb so gut, dass ich es über das deutlich dunklere Rot bügeln kann, ohne dass letzteres durchscheint.

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Als Freud des einfachen Finishs beschränke ich mich gern auf zwei Farben. Gelb und Rot sind in den letzten Jahren zu meinen absoluten Favoriten geworden, da sie für mich die beste Sichtbarkeit am Himmel bieten. Ich finde es schön.

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Jetzt aber mal zum eigentlichen Grund meines bescheidenen Berichts, dem Fliegen:

Es war wieder so ein schrecklich unspektakulärer Erstflug, der nach fünf Sekunden das Gefühl gibt, mit dem Modell schon ewig unterwegs zu sein. Wie schon geschrieben, habe ich die Ruderausschläge nach Anleitung eingestellt. Den Schwerpunkt legte ich an den vorderen Rand des angegebenen Spektrums. Das passt auch.

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Mit gut 2/3 Leistung habe ich den E-SOLO in den leichten Wind geschoben und er flog einfach geradeaus los. Kein Trimmen, keine Zicken, nichts. Die Ruder wirken direkt, aber nicht nervös. Der Flügel lässt sich extrem eng wenden, kann aber auch mit minimalen Ruderausschlägen sehr feinfühlig dirigiert werden. Das macht echt Spaß. Klar ist aber auch, dass es sich nicht um ein Leistungsmodell handelt. Wer darauf abfährt, muss sich was anderes suchen.

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Ich würde die Flugeigenschaften mit einem guten alten 40er Trainer vergleichen. Wer sich vielleicht bisher nicht so mit Nurflügeln anfreunden konnte oder wollte, hat hier eine super Einstiegsdroge mit echtem Suchtpotential.

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Die relativ große Flächentiefe trägt zur guten Sichtbarkeit am Himmel bei. Mir persönlich gefällt auch die Geometrie sehr gut. Über die Rumpfform kann man sich sicher streiten. Das erinnert stark an einen Schiffsrumpf.

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Aber auch hier finde ich, es hat was. Fakt ist mal, dass der Rumpf sehr geräumig ist, perfekt vorbereitet aus der Schachtel kommt und letztlich seinen Zweck mehr als erfüllt. Ich würde nicht mehr erwarten wollen.

Gibt`s auch was zu meckern?

Das Konzept, die Flächen auf den Rumpf zu schrauben, ohne dass es einen separaten Zugang zum Rumpf gibt, scheint mir überholt. Das geht tatsächlich besser und damit bequemer sowie sicherer. Meine Lösung mit einer Steckbrücke zum Aktivieren der Anlage ist da bestimmt ein guter Kompromiss. Aber es ist eben eine Krücke, um nicht ständig mit aktivierter Anlage hantieren zu müssen.

Letztlich ist es jedoch sowas wie die Suche nach dem Haar in der Suppe. Dem beschriebenen "Missstand" steht nämlich eine absolut solide und leichte Bauweise gegenüber. Eine Konstruktion ohne jede Spielerei, deren Flächen man auch ohne Angst anfassen kann. Das Modell fliegt genial einfach. Ich würde sagen, die Vorteile überwiegen deutlichst.

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So, was machen wir denn nun mit einem Modell, dass es so nicht mehr zu kaufen gibt? Mein Rat lautet, sich einen SOLEO zu kaufen, ihn zu bauen und damit genau den gleichen Spaß zu haben wie ich ihn hatte. Auch wenn der Bausatz angeblich überarbeitet wurde, behaupte ich, dass das Ergebnis identisch sein wird. Letztlich ist der Bau eines Flugmodells noch immer eine richtig feine Sache mit extrem hohen ideellen Werten. In diesem Sinne lasst euch herzlichst anstiften. Dieser Nurflügel hat es bestimmt verdient.

Technische Daten: E-SOLO von Aeronaut
Einheit
Spannweite
mm
1800
Länge
mm
780
Gewicht
g
1430
weitere Angaben
Motor Planet Hobby, Joker 3530-13
Regler ICE-40A
Propeller
Zoll
12 x 6
Spinner
mm
Ø 40
Akku
mAh
3s, 2200
Servos Corona CS238 MG
 
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